Gentechnologie und Lebensmittel

Kurzbericht über ein BLL-Symposium

Rund 400 Teilnehmer aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Wirtschaft sowie Verbraucher- und Umweltverbänden diskutierten am 17./18. April 1996 in Bonn darüber, wie sicher Gentechnik in der Lebensmittelherstellung ist, wo gentechnische Verfahren im Lebensmittelbereich eingesetzt werden können und welche Bedeutung diese Technik für die Lebensmittelwirtschaft hat. Ziel der Veranstaltung war es, Informationsdefizite abzubauen und einen sachlichen Dialog über diese Technologie zu führen.

„Die Gentechnik ist weder schlecht noch gut. Lebensmittel, die mit der Gentechnik in Berührung gekommen sind, sind per se weder risikoreicher, noch bergen sie völlig andersartige Gefährdungspotentiale als konventionell gewonnene“, so Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Leiter des molekularbiologischen Zentrums der Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Karlsruhe. Trotzdem bestehen bei den Verbrauchern Ängste gegenüber dem Einsatz der Gentechnologie bei der Lebensmittelherstellung. Im medizinischen Bereich wird dagegen von weiten Teilen der Bevölkerung die Anwendung der Gentechnik inzwischen begrüßt. Möglich sind heute beispielsweise die gentechnische Herstellung von Insulin und bestimmten Blutgerinnungsfaktoren. Das Symposium sollte Informationen liefern über Anwendungsstand und Sicherheitsbewertung der Gentechnologie bei der Lebensmittelherstellung und den sachlichen Dialog zwischen Befürwortern und Kritikern ermöglichen. Die wesentlichen Ergebnisse sind: 1. Die Gentechnik hält in steigendem Maße Einzug in die Gewinnung und Herstellung von Lebensmitteln weltweit, in Europa und damit auch in der Bundesrepublik. Zwar gibt es auf dem deutschen Markt noch keine gentechnisch veränderten Lebensmittel wie die Flavr-Savr-Tomate, jedoch ist davon auszugehen, daß bereits eine Vielzahl von Lebensmitteln Zutaten, wie beispielsweise Stärkeabbauerzeugnisse, enthalten können, die ihrerseits mit Hilfsstoffen (z.B. Enzyme) hergestellt werden, die wiederum unter Zuhilfenahme der Gentechnik produziert worden sind. Die dem Verbraucher angebotenen Lebensmittel unterscheiden sich aber nicht von herkömmlichen Produkten. Diese Lebensmittel entsprechen den geltenden Anforderungen des Lebensmittelrechts und auch des Gentechnikgesetzes. 2. Es ist davon auszugehen, daß zu einem späteren Zeitpunkt auch gentechnisch veränderte Lebensmittel auf den Markt gelangen. 3. Die Strukturen für die notwendigen Sicherheitsbewertungen gentechnisch hergestellter Lebensmittel sind vorhanden; mögliche Risiken für die Gesundheit der Verbraucher und für die Umwelt können daher in gleicher Weise wie bei herkömmlichen Lebensmitteln ausgeschlossen werden. 4. Die Vorteile des Einsatzes der Gentechnik im Lebensmittelbereich können in folgenen Bereichen liegen: · umweltschonendere Produktion (z.B. durch Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und Verringerung des Energie- und Wasserverbrauchs) · Prozeßoptimierung (Kosteneinsparung, Wettbewerbsfähigkeit) · Qualitätsverbesserung (z.B. Entwicklung hypoallergener und diätetischer Lebensmittel, verbesserte Haltbarkeit und Lagerfähigkeit von Lebensmitteln) · Ressourcen- und Ertragssicherung (Ausbildung von Resistenzen gegen Krankheitsbefall, verbesserte oder veränderte Rohstoff- und Reststoffverwertung) Kontrovers diskutiert wurde insbesondere die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die im Verlaufe ihrer Herstellung mit Gentechnik in Berührung gekommen sind. Es bleibt abzuwarten, auf welche genaue Regelung man sich letztlich in der Novel Food Verordnung einigen wird. Als wichtig für die weitere Diskussion wurde erachtet, daß sich alle Verantwortlichen sachlich mit dem Thema „Gentechnik und Lebensmittel“ auseinandersetzen. Der BLL wird in Kürze eine Verbraucherbroschüre zum Thema Gentechnik im Lebensmittelbereich herausgeben. Über die Broschüre und die Bezugsbedingungen werden wir Sie im nächsten bmi-aktuell informieren. Bereits jetzt erhältlich ist ein Foliensatz samt Begleitheft „Gentechnik & Lebensmittel“ zum Preis von 270,00 DM plus MWSt. und Versand. Das Begleitheft kann auch einzeln, weitaus kostengünstiger bestellt werden zum Preis von 17,00 DM plus MWSt und Versand. Bezugsadresse: Foliensatz und Begleitheft „Gentechnik & Lebensmittel“ IlWI Godesberger Allee 157, 53175 Bonn Tel.: 0228 / 819 930 Fax.: 0228 / 37 34 27

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