Akzeptanz der Grünen Gentechnik steigt

repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach

Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH CMA, Bonn – Bad Godesberg

Die Akzeptanz der Gentechnologie nimmt in der Bevölkerung seit über drei Jahren kontinuierlich zu. Das hat eine im Auftrag der Bundesregierung durchgeführte repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben. Zunehmend erkennen die Verbraucher einen direkten Nutzen in der Gentechnik. Auch der Einsatz der Biotechnologie in der Landwirtschaft wird heute positiver gesehen als noch vor wenigen Jahren. Das Bundesverbraucherministerium veröffentlichte die Studie Anfang Juni, nachdem zuvor Kritik laut geworden war, die Untersuchungsergebnisse würden aus politischen Gründen zurückgehalten.

Für die Erhebung interviewten die Allensbacher Demoskopen im Zeitraum vom 27. September bis 8. Oktober 2001 mehr als 2.000 Personen im Alter über 16 Jahre. Dabei wurde deutlich, dass Medien und Politiker zwar eine hitzige Debatte über die Nutzung der Gentechnologie führen, diese die Bürger aber kaum noch erreicht. Nur gut ein Drittel der Bevölkerung ist an dem Thema stark interessiert, während 44 Prozent nur ein begrenztes Interesse bekundeten und ein knappes Fünftel kaum bis gar nicht an der Gentechnik-Debatte interessiert ist. Offenbar klingt die Aufmerksamkeit mit zunehmender Dauer der Auseinandersetzung ab, und das auch, weil immer mehr Deutsche zu der Auffassung gelangen, dass der Nutzen der Gentechnik überwiegt.

Von 1994 bis 1998 hatte Allensbach relativ konstante Werte der Ablehnung beziehungsweise Zustimmung zur Gentechnik registriert: Regelmäßig hatte etwa ein Drittel der Befragten geantwortet, dass die Gentechnik alles in allem eher schade, nur ein Viertel war davon überzeugt, dass der Nutzen überwiegt. Im Jahr 2001 fand jedoch ein Meinungsumschwung statt. Die Befürworter erreichten im Frühjahr vorigen Jahres einen Anteil von 36 Prozent, in der Herbstbefragung gar von 44 Prozent. Ende September beziehungsweise Anfang Oktober 2001 waren nur noch 19 Prozent der Meinung, dass die Gentechnik mehr schade als nutze. Auffallend ist der nach wie vor hohe Anteil Unentschlossener. Nach wie vor steht rund ein Fünftel der Bevölkerung der Gentechnik unentschieden gegenüber. Weitere 16 Prozent glauben, dass weder der Schaden noch der Nutzen überwiegen. Trotz der damit insgesamt merklich höheren Akzeptanz bezweifeln 70 Prozent, dass die Gentechnologie sicher beherrscht werden kann. Nur 14 Prozent haben volles Zutrauen in die Beherrschbarkeit dieser Technik.
Die unterschiedlichen Anwendungsgebiete der Gentechnik werden in der Bevölkerung differenziert bewertet. Der Einsatz der Biotechnologie zur Bekämpfung schwerer Krankheiten und zur Erkennung und Verhinderung von Erbschäden wird von der überwältigenden Mehrheit befürwortet. Der Einsatz in der Landwirtschaft wird hingegen längst nicht so durchgehend positiv gesehen. So befürworten zwar 46 Prozent gentechnisch veränderte Pflanzen, die sich selbst gegen Schädlinge schützen, während 31 Prozent dies ablehnen und 23 Prozent noch unentschieden sind. Der Einsatz der Gentechnik zur Steigerung der Ernteerträge wird dagegen überwiegend abgelehnt (41 Prozent). Für die mit Nahrungsmitteln aller Art überversorgte deutsche Bevölkerung spielen höhere Hektarerträge eine untergeordnete Rolle. Nur 37 Prozent halten den Einsatz der Biotechnologie zu diesem Zweck für akzeptabel. Allerdings ist auch für die landwirtschaftlichen Anwendungen im Laufe der letzten Jahre eine Verschiebung zugunsten der Nutzung der Gentechnologie eingetreten.

Auch die Forschung für den Einsatz der Gentechnik wird von den Bundesbürgern differenziert beurteilt. Gut zwei Drittel wünschen sich schnelle Fortschritte in Forschung und Entwicklung, wenn es darum geht, Pflanzen für den Anbau in kargen Regionen der Dritten Welt zu züchten. Ein Fünftel würde die Forschungsarbeit allerdings selbst auf diesem Gebiet stoppen. Deutlich weniger Zustimmung findet die Entwicklung von lang haltbaren Obst- und Gemüsesorten: Nur 26 Prozent halten schnelle Fortschritte hier für wichtig, während die überwiegende Mehrheit (57 Prozent) keine Arbeiten auf diesem Gebiet wünscht. Die Erforschung des Klonens von Tieren lehnen 88 Prozent der Befragten ab, nur 4 Prozent sind dafür. In einer ähnlichen Größenordnung bewegt sich die Abneigung gegen eine Steigerung der menschlichen Intelligenz oder gegen die vorherige Festlegung des Geschlechts von Kindern.

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