Titel

Low-Fat, Low-Carb & der glykämische Index

Übergewicht Michael Gusko, Hamburg

Übergewicht – die globale Epidemie
Das Thema Übergewicht hat man lange Zeit als rein amerikanisches Phänomen abgetan. Wer kennt sie nicht – die Bilder von extrem fettleibigen Amerikanern? Aber nicht wenige hat es verwundert als am 8. Januar 2003 in den USA ein Turboprop Flugzeug 37 Sekunden nach dem Start abstürzte und beide Piloten und alle 19 Passagiere tötete. Das Ergebnis der Untersuchung der Federal Aviation Administration lautete schlicht „Übergewicht“ und die Erkenntnis: „The average American is a little bigger than he used to be.“ Seit diesem Absturz müssen Fluggesellschaften bei kleinen Flugzeugen dicke Passagiere auf die Waage bitten und notfalls einen Platz neben dem Übergewichtigen freihalten.

Heute wissen wir, dass das Übergewicht mit wachsendem Wohlstand global zunimmt. Weltweit gibt es bereits über 1 Milliarde Übergewichtiger. Die Wachstumsrate in Westeuropa und den USA liegt bei 5% pro Jahr; Schätzungen des Center of Disease Control, Atlanta USA, gehen davon aus,dass im Jahr 2010 bereits 1,7 Mrd. Menschen übergewichtig (Body-Mass-Index „BMI“ 25–30) oder fettleibig (BMI > 30) sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)bezeichnet Übergewicht als die „globale Epidemie des 21. Jahrhunderts“.

Deutschland ist bezüglich dieser Entwicklung keine Ausnahme und entwickelt sich zum Land der Dicken: im Vergleich zu den anderen EU-Ländern liegen Deutschlands Männer an erster Stelle und die Frauen an sechster Stelle (Quelle: International Obesity Task Force). Nach den neusten Erhebungen des Robert Koch-Instituts (Nationaler Gesundheits-Survey 1998) sind bei den Erwachsenen fast zwei Drittel der männlichen Bevölkerung und gut die Hälfte der weiblichen Bevölkerung leicht übergewichtig bis stark fettleibig (adipös). Besonders die Anzahl dicker Kinder und Jugendlicher ist Besorgnis erregend. Nach Aussagen von Kinder- und Jugendärzten hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen in den letzten 10–15 Jahren verdreifacht. Inzwischen sind etwa jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche übergewichtig. Bei 7% bis 8% der Kinder und Jugendlichen erreicht das Übergewicht das Ausmaß einer Krankheit. Dies ist um so bedeutender, da der Verlust an Lebensjahren durch die Adipositas umso größer ist, je jünger die Betroffenen sind: Bei jüngeren extrem Adipösen besteht ein Verlust an Lebensjahren von 8 bis 13 Jahren.

Gesundheitsrisiken und –kosten
Fehlernährung und Übergewicht haben zu einem dramatischen Anstieg von Diabetes, Bluthochdruck und Kreislauferkrankungen geführt. In fast allen Industriestaaten ist infolge von Übergewicht und Bewegungsarmut „ein Big Bang von Diabetesausbrüchen zu erwarten“. Ernährungsbedingte Krankheiten gehören bereits zum größten Kostenfaktor des Gesundheitswesens. In den USA wird davon ausgegangen, dass Fettleibigkeit und Bewegungsmangel schon 2005 das Rauchen als Todesursache Nummer 1 ablösen wird. In den USA sterben jährlich schätzungsweise 280.000 Menschen an den Folgen von Adipositas. Die Behandlung fettleibiger Menschen verschlingt in den USA rund 120 Milliarden US-Dollar jährlich.

Auch die Zahlen für Deutschland sind alarmierend: Rund 40 Prozent der Deutschen haben nach Expertenansicht ein Diabetes-Vorstadium wie erhöhte Blutfettwerte. Mindestens acht Millionen Menschen sind nach Ansicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) tatsächlich an Diabetes erkrankt. In Deutschland sterben 180.000 Menschen pro Jahr am Herzinfarkt durch Messer und Gabel.

Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft macht in ihrer Regierungserklärung vom 17. Juni 2004 vor dem Deutschen Bundestag mit markigen Worten auf die gesellschaftlichen Kosten aufmerksam:

  • „Heute müssen wir weit über 71 Milliarden Euro Folgekosten in unserem Gesundheitssystem für ernährungsbedingte Krankheiten aufbringen – so die letzten Berechnungen.“
  • „Die junge Generation wird die erste sein, die vor ihren Eltern stirbt“ – so eine britische Studie.
  • „Ein dreijähriges Mädchen starb an Herzinfarkt in Folge von Übergewicht. Es wog 38 Kilo – so der Bericht einer deutschen Tageszeitung Ende letzten Monats.“

Angesichts der Tatsache, dass kein Sozialsystem der Welt diese Krankheitskosten tragen und bewältigen kann, fordert die Politik weltweit Korrekturmaßnahmen. Wegen der starken Zunahme des Anteils an übergewichtigen Kindern hat das Deutsche Bundesernährungsministerium seine Arbeit grundlegend umgestellt: der Schwerpunkt wird nun auf die Kinder gelegt.

Es ist den Politikern klar, dass Übergewicht und Fettleibigkeit nicht nur einen Grund haben. Biologische, soziale, psychologische und kulturelle Faktoren spielen gleichermaßen eine Rolle, wie der Lebensstil, die Situation im Privaten, in der Schule und im öffentlichen Raum. Auf der BLL Jahresstarttagung im April 2004 in Berlin fordert Bundesministerin Renate Künast eine von allen gesellschaftlichen Gruppen getragene Ernährungsbewegung für Deutschland: „Die Prävention von Übergewicht ist die ernährungspolitische Herausforderung der Zukunft.“

Politischer Druck auf die Ernährungsindustrie
Übergewicht ist biologisch gesehen das Ergebnis einer langfristig positiven Energiebilanz: Man nimmt zu, wenn man mehr Kalorien zuführt (Nahrung) als man Kalorien verbrennt (Sport, Grundumsatz, Wärmeproduktion). Natürlich hat diesbezüglich die erbliche Veranlagung des einzelnen einen Einfluss. Die Erkenntnis ist aber, dass selbst Leute mit einer genetischen Prädisposition zu Übergewicht es geschafft haben, nicht übergewichtig zu werden oder ihr Gewicht zu reduzieren und niedrig zu halten.

Gleichwohl wächst weltweit der Druck der Politiker auf die Ernährungsindustrie. Dr. Mark McClellan, Beauftragter der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA)brachte es am 1. Juli 2003 in seiner Rede an der Harvard School of Public Health auf den Punkt: „And I am challenging the food industry to figure out, with the help from us, how we can make healthier diets more appealing and attractive to Americans. We’ve got more nutritional knowledge, more marketing knowledge, and more medical knowledge to bring to bear on improving diets than ever before, and we need to do it urgently.“

Am gleichen Tag verkündet der amerikanische Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods Inc., Northfield, USA, in einer Presseerklärung eine globale Initiative zur Bekämpfung der wachsenden Überernährung: „In response to rising obesity rates around the world, Kraft Foods Inc. said today it will initiate a new series of steps to further strengthen the alignment of its products and marketing practices with social needs.“ Kraft Foods will künftig Produkte mit deutlich reduziertem Fett- und Zuckeranteil sowie kleine Portionsgrößen auf den Markt bringen. Damit reagiert Kraft auch auf einen aktuellen Trend: Verbraucher versuchen zunehmend, auf juristischem Wege die Verantwortung beispielsweise für starkes Übergewicht an die Nahrungsmittel-Produzenten zu delegieren. Vorbild dafür sind die amerikanischen Schadenersatz-Prozesse gegenüber den Zigaretten-Herstellern.

Low Fat Angebote der Lebensmittelindustrie
Ziel der meisten Diäten ist die Senkung der Kalorienaufnahme, insbesondere über die Fettreduktion. Die Erklärung ist einfach: Während Eiweiß und Kohlenhydrate nur 4,1 Kcal/Gramm haben, liegt Fett mit 9,3 Kcal/Gramm mehr als doppelt so hoch – der Verzicht auf eine Gewichtseinheit Fett verspricht somit einen höheren Abnehmerfolg. Die Lebensmittelindustrie hat die fettreduzierten Diäten unterstützt, indem sie eine Vielzahl von fettreduzierten Lebensmitteln auf den Markt gebracht hat.

Nabisco Foods Inc. hat beispielsweise in den USA 1992 eine Range fettreduzierter Kekse (Auslobung „fat free“ und „low fat“) unter dem Markennamen „SnackWell’s“ eingeführt. Der Markterfolg war gigantisch – bereits 4 Jahre nach der Einführung betrug der Umsatz 600 Mio. US-Dollar. Nabisco hatte nicht nur eine neue Produktkategorie gegründet, sondern bis 1998 auch erfolgreich die Marktführerschaft in dem Segment verteidigt. Nabisco hatte schlicht auf den Verbraucherirrglauben gesetzt, dass, wenn ein Produkt kein Fett enthält, man dann auch nicht fett wird.

1998 wendete sich das Blatt für Nabisco: Die Presse beschuldigte Nabisco, dass die fettreduzierten SnackWell’s Kekse eine kalorienreiche Zutat (Fett) durch eine andere kalorienreiche „leere“ Zutat (Zucker) ersetzt haben. In der Tat bestanden beispielsweise bei den SnackWell’s Devil’s Food Plätzchen von den ersten vier Zutaten drei aus Zucker. Viel gravierender aber war, dass die fettreduzierten Plätzchen teilweise mehr Kalorien als die vollfetten Kekse vom Wettbewerb hatten. Der Absatz von SnackWell’s Keksen stürzte in Folge dieser PR-Krise in den Keller. Der Markenname SnackWell’s war so beschädigt, dass es auch nichts half, dass Nabisco 2000 zusätzlich „zuckerfreie“ Plätzchen einführte. Im Jahr 2004 nimmt Nabisco in den USA nun einen neuen Anlauf und folgt damit dem sehr erfolgreichen „Low Carb“ Trend: Das SnackWell’s Markendach wurde verbreitert und es wurden unter dem Namen „CarbWell Cookies“ Kekse eingeführt, welche pro Portion nur „9g Net Carbs“ enthalten.

Low Carb und die Steinzeitdiät
„Low-Carb“ (wenig Kohlenhydrate) ist der vorherrschende Diät-Trend in den USA. Carb ist die Abkürzung für „carbohydrates“, eben Kohlenhydrate. Wer abnehmen will, muss kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel meiden. In den Regalen amerikanischer Supermärkte finden sich zunehmend Lebensmittel mit niedrigem Kohlenhydratanteil.

Auslöser für diesen Trend waren nicht nur die Skandalgeschichten um Nabiscos SnackWell’s, sondern auch die ernüchternde Erkenntnis, dass trotz eines riesen Angebots und zunehmenden Verzehrs fettreduzierter Lebensmittel der Anteil Übergewichtiger stark zugenommen hat. 1980 betrug der Anteil von Fett an der Kalorienaufnahme noch 40 Prozent, 1990 noch 37 % und im Jahr 2000 nur noch 34 %. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil Übergewichtiger in den USA von 58 Prozent auf 79 Prozent!

Natürlich ist dies nur die halbe Wahrheit. Zwar haben die Amerikaner relativ weniger Fett gegessen, aber von 1980 bis heute haben sie ihre tägliche Kalorienaufnahme um durchschnittlich 400 bis 600 kcal erhöht und damit absolut mehr Fett, mehr Kohlenhydrate und auch mehr Proteine verzehrt. Eine wesentliche Ursache ist das „largesizing“ der Portionen in den USA (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Das amerikanische Paradoxon – immer fetter trotz weniger Fett

Max. Portionsgrößen, USA

(supersize option) 60er Jahre 21. Jahrhundert
French fries (McDonald’s) 200 kcal 600 kcal
(7 ounces)
Soft drinks 0,5 Liter 1,2 Liter
(42 ounces)
Popcorn 3 Tassen voll Eimer voll

Das o.g. amerikanische Paradoxon – („immer fetter trotz weniger Fett“) wird oftmals erklärt mit der genetischen Ausstattung des Menschen (Stichwort „Steinzeitdiätler“): Der Mensch war mindestens fünfhundert Mal länger ein Jäger und Sammler, als er Bauer oder zivilisierter Städter war. Jahrmillionen lang hat die Evolution die Gene der Menschen bevorzugt, die mit dieser Ernährungsform am besten klar gekommen sind. In anderen Worten heißt dies: Unsere genetisch vorgegebenen enzymatischen Systeme kommen mit Fleisch, Fisch, Nüssen, Beeren und Gemüse besser klar als mit großen Mengen von Brot, Kartoffeln und Nudeln. Erst vor etwa 10.000 Jahren begann der systematische Anbau von Nahrungspflanzen und damit auch das Zeitalter des Ackerbaus (Weizen, Reis und andere Getreide = Kohlenhydrate) und der Veredlung der Naturprodukte (feines Mehl statt grobem Schrot). Die mit der Veränderung der Diät einhergehende Folge: wir essen heute mehr raffinierte Kohlenhydrate als früher! Das daraus erwachsende Problem: Die heutige Ernährung entspricht nicht dem genetisch über Millionen von Jahren bestimmten Optimum. Fazit der Apologeten der „Steinzeitdiät“: Der Mensch ist nicht an die moderne Ernährung angepasst! Wer zuviel Gewicht mit sich rumschleppt, sollte sich fett- und proteinreich ernähren. Nicht allein der schlanken Linie wegen, sondern auch um Zivilisationskrankheiten vorzubeugen.

Renaissance der Atkins Diät
Der Vorläufer der heutigen Low Carb Diäten ist die im Jahr 1972 von dem Kardiologen Dr. Robert C. Atkins veröffentlichte Atkins Diät. Nach Dr. Atkins kann man Gewicht reduzieren, indem man fettreiche Lebensmittel isst und gleichzeitig auf Kohlenhydrate verzichtet. Die Atkins Diät war in der Zwischenzeit fast in der Versenkung verschwunden. Dann brachte eine Titelgeschichte im „The New York Times Magazine“ vom 7. Juli 2002 alles ins Rollen. Das Fazit der Titelgeschichte „What if it’s All Been a Big Fat Lie?“: Die Atkins Diät ist effizienter und gesünder als alle Low Fat Diäten. Bestätigt wurden diese Aussagen durch Studien von Dr. Eric Westman von der Duke University: 120 übergewichtige Freiwillige folgten über 6 Monate der Atkins Diät bzw. einer fettreduzierten Diät der American Heart Association (AHA). Das Ergebnis:

  • 31 Pfund Gewichtsverlust bei der Atkins Diät vs. 20 Pfund bei der AHA Diät
  • Atkins Diät: HDL (das gute Cholesterin) stieg um 11 Prozent, LDL (das schlechte Cholesterin) blieb unverändert, die Triglyceride sanken um 49 Prozent
  • AHA Diät: HDL unverändert, LDL unverändert, Triglyceride sanken um 22 Prozent

In der Tat ist die Atkins Diät heute so populär wegen des raschen Gewichtsabbaus. Über 20 Millionen Amerikaner sind heute Verfechter dieser Diät-Prinzipien. Neben der Herausgabe seiner Bücher hat Dr. Atkins auch eine Firma gegründet und eine Reihe eigener Lebensmittel auf den Markt gebracht. Alle Atkins Lebensmittel zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen geringen Gehalt an „Net Carbs“ haben. Unter Net Carbs versteht man die „schlechten“ Kohlenhydrate, welche sich negativ auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Nicht berücksichtigt werden die Ballaststoffe (welche gemäß der amerikanischen FDA Definition zu den Gesamtkohlenhydraten zählen) und auch nicht die Zuckeralkohole (wie z. B. Süßstoffe), da diese zu keinem Anstieg des Blutzuckers führen. Im Jahr 2003 realisierte Atkins Nutritionals Inc. in den USA einen Umsatz von 100 Mio. US-Dollar mit 90 Low Carb Produkten. Dazu zählten insbesondere jene Lebensmittel, welche der Verbraucher gerne isst, aber aufgrund der Atkins Philosophie meiden sollte (z.B. Atkins Backwaren). Atkins hat daneben noch zahlreiche Lizenzen vergeben, darunter eine Lizenz an Subway Restaurants für Atkins Pizzen, Wraps und Salate.

Während der Low Fat Markt weltweit durch die großen multinationalen Firmen geprägt wurde, waren es bis im Low Carb Markt anfänglich vor allem kleine Nischenanbieter. Der Markt hat sich in den USA so stark entwickelt, dass mittlerweile alle großen Markenartikler eine Low Carb Version im Markt haben: Coca-Cola C2, Pepsi Edge Cola, Michelob ULTRA Bier, General Mills Yoplait Ultra Joghurt, Danone Carb Control Joghurt, Heinz OneCarb Ketchup, General Mills Total Protein Cerealien, Hershey’s 1 gram Sugar carb Schokolade, Nestlé Breakfast drink for the carb conscious, Unilever CarbOptions Saucen, Mc- Donald’s Burger im knackigen Salatblatt und ohne Bun, etc.

Von dem Erfolg der Low Carb Welle überrascht wurde auch SlimFast. SlimFast ist eine Formula Diät, welche einen Abnehmerfolg durch einen kalorienarmen Mahlzeitenersatz verspricht. Im Jahr 2002 wurde die Marke SlimFast von Unilever gekauft; aber bereits im Folgejahr stürzte der Absatz um über ein Viertel zusammen. Die Ursache: SlimFast war mit 54 Prozent Kohlenhydratanteil nicht mehr zeitgerecht. Im Jahr 2004 führte Unilever eine SlimFast Low Carb Subrange in den amerikanischen Markt ein.

Kraft Foods, USA, kündigten im September 2004 an, dass sie mit Dr. Arthur Agatston kooperieren wollen. Dr. Agatston ist ein Kardiologe aus Florida, welcher mit dem Low Carb Buch „Die South Beach Diät“ einen weltweiten Erfolg feiert. Bekannt wurde die Diät durch die Tatsache, dass sich Hillary und Bill Clinton „outeten“, dass sie nach der South Beach Diät gelebt und stark abgenommen hätten. Die South Beach Diät wird ernährungswissenschaftlich als vernünftige Weiterentwicklung der Atkins Diät betrachtet. Die South Beach Diät empfiehlt jetzt eine Vielzahl von Kraft Produkten als geeignet für die South Beach Diät und damit geeignet zum Abnehmen.

Der glykämische Index
Es gibt keinen Trend der nicht irgendwann durch einen Gegentrend gebrochen wird. Tatsächlich bekommen die Low Carb Diäten Konkurrenz durch Diäten, welche auf dem glykämischen Index (GI) basieren. Dieser gibt an, bei welchem Kohlenhydrat der Blutzuckerspiegel und damit der Insulinspiegel besonders rapide ansteigt. Während Low Carb Diäten undifferenziert nur den Anteil der Kohlenhydrate runter drücken, berücksichtigt der glykämische Index die Qualität der Kohlenhydrate. Diese Art von Diät verhindert Heißhungerattacken, da die Überflutung des Bluts mit Insulin ausbleibt. Zudem verhindert ein hoher Insulinspiegel, dass Körperfett verbrannt wird, da er den Körper zwingt, zuerst den Blutzucker zu verbrennen.

Das Konzept des glykämischen Index wird noch effektiver, wenn neben der Qualität der Kohlenhydrate auch die absolute Menge der zugenommenen Kohlenhydrate berücksichtigt wird (glykämische Last bzw. abgekürzt GL).

Das Konzept des GI und GL hat insbesondere durch Professor Walter Willett von der angesehnen Harvard Medical School, USA, Auftrieb bekommen. In seinem Buch „Eat, Drink and Be Healthy“ kritisiert er insbesondere die über 10 Jahre alte Ernährungspyramide des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums als nicht wissenschaftlich fundiert und stellt ihr seine auf wissenschaftlichen Fakten basierende „Be Healthy Pyramide“ gegenüber. Innerhalb der Pyramide schenkt er dem glykämischen Index der verschiedenen Kohlenhydrate besondere Aufmerksamkeit: Lebensmittel mit einem hohen GI sollen seltener, welche mit einem niedrigen GI häufiger verzehrt werden.

In Australien hat Frau Professor Jennie Brand-Miller von der Universität Sydney dem GI zu einer großen Bedeutung verholfen. Ihr Buch „The new Glucose Revolution“ führt Hunderte Testwerte von Lebensmitteln auf, welche auf den GI und den GL getestet wurden. Darüber hinaus hat sie ein GI-Siegel-Programm gestartet, welches Lebensmittel auszeichnet, die ein günstiges Nährwertprofil haben und zugleich einen niedrigen glykämischen Index.

What’s next?
Zahleiche Produkte in Australien und erste in Europa loben bereits den glykämischen Index aus. Doch die spannende Frage ist – welche Diät kommt danach? Da Low Carb und der GI/GL insbesondere die Kohlenhydrate in den Fokus stellen, werden sich danach mit hoher Wahrscheinlichkeit die Diäten durchsetzen, welche den gesamten Nährstoffmix berücksichtigen.

Die Aussage von Dr. Alice Lichtenstein von der Tufts University, USA, „There is no magic combination of fat versus carbs versus protein. It doesn’t matter in the long run. The bottom line is calories, calories, calories.“ greift diesbezüglich zu kurz, denn sie berücksichtigt nicht ausreichend die Qualität unserer Grundnährstoffe.

Kohlenhydrate und Fette werden zukünftig im Gesamtkontext einer ausgewogenen Ernährung bewertet werden. Das Konzept der Nährstoffprofile einzelner Lebensmittel gewinnt in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung.

Kommen die Diät Trends nach Deutschland?
Sie sind längst da. Zahlreiche Diätbuch Neuerscheinungen und auch die Diätempfehlungen und Tests in Frauen- wie Fitnesszeitschriften („Was taugen Amerikas neue Wunderdiäten?) propagieren bereits die neuen Trends. Low-Carb und glykämischer Index sind keine Fremdworte mehr.

Wenn es um das Aufgreifen neuer Trends geht sind Deutschlands Bäcker vorne weg: Mit Erfolg haben bereits Anfang 2003 innovative Bäckereiunternehmer Brote mit einem günstigen glykämischen Index in dem Markt eingeführt. Die Brote zeichnen sich durch einen niedrigen glykämischen Index (GI = 38) und eine niedrige glykämische Ladung (GL = 6 bei 30 g Brot) aus. Im Sommer 2004 launchten Deutschlands Bäcker erste Low-Carb Brote mit nur halb soviel Kohlenhydraten (8 g net carbs pro 30 g Brot) und fast dreimal soviel Protein wie ein normales Brot. Nestlé Deutschland führte im Herbst 2004 unter dem Namen Fit’nLite einen Riegel mit „2 g net carbs“ ein, welcher lt. Packungsgestaltung „Für LOW CARB Diäten geeignet ist“. Mit weiteren Low-Carb-Produkteinführungen will sich Nestlé Deutschland an die Spitze der ersten Anbieter setzen. Professor Ferdinand Haschke von Nestlé Nutrition in der Lebensmittel Zeitung 10. 9. 2004): „Wir sind hier nicht alleine, der Wettbewerber wird auch bald mit Low-Carb-Produkten auf den Markt kommen.“

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