Bio-Produkte auf dem Vormarsch

Der Verbraucher setzt auf Gesundheit und Lebensqualität

Moderne Rohstoffe in Bio-Qualität
Dr. Barbara Kuhn, SATRO Specialist in Food Ingredients

Bioprodukte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit beim Verbraucher. Sie sind längst kein Nischensegment des Lebensmittelmarktes mehr, das ganz spezielle Kundenbedürfnisse erfüllt und folglich nur eine kleine Zielgruppe anspricht. Vielmehr hat ein wachsendes Gesundheitsbewußtsein des Verbrauchers zu einem weitgehend kritischen Konsumverhalten geführt. Das betrifft insbesondere die Nahrungsmittel.
Bekanntlich wird der menschliche Organismus mit immer größeren Umweltbelastungen konfrontiert, Unverträglichkeiten und Allergien sind „in aller Munde“. Schadstoffe gelangen nicht zuletzt über die Nahrung in den Organismus. Aufklärung und Wohlstand ermöglichen es dem Verbraucher durch die Auswahl der Lebensmittel gewissen Einfluß auf Gesundheit und Lebensqualität zu nehmen. Untermauert wird der kritische Umgang mit Lebensmitteln sicherlich durch die Verunsicherung der Verbraucher, Heute ist ein kritischerer Umgang der Verbraucher mit Lebensmitteln festzustellen. Hierzu tragen nicht nur größere Aufklärung und höherer Wohlstand bei, die es dem Verbraucher ermögliche, durch die Auswahl der Lebensmittel gewissen Einfluß auf Gesundheit und Lebensqualität zu nehmen. Auch die Verunsicherung der Verbraucher durch Lebensmittelskandale und die Diskussion um die Gentechnik haben das . Das veränderte Verbraucherbewußtsein verändert und so zu einer hat eine erhöhten Nachfrage nach Bio-Produkten zur Folge geführt. Der Umsatz mit Bio-Produkten ist innerhalb der letzten 5 Jahre in Europa um 14,5 % gestiegen. In Deutschland nimmt der Bio-Markt mittlerweile einen Anteil von 2,7 % vom Gesamtlebensmittelmarkt ein, in der Schweiz und in Österreich liegt er bereits bei 6-7 %. Die World Trade Organisation (WTO) geht davon aus, daß in wenigen Jahren der Bio-Anteil auf 10% des LM-Marktes steigt.
Die Distribution von Bio-Produkten in Deutschland erfolgt derzeit noch überwiegend über Naturkosthandel und Reformhäuser (s. Abb. 1 im Originalausdruck). Immerhin 25 % werden aber bereits im konventionellen Einzelhandel gekauft, der Absatz über Bäckereien und Metzgereien liegt bei 10% des Gesamtvolumens. Ähnlich ist die Situation in Italien, Belgien und den Niederlanden; hier wird sogar das Niveau von 25 % noch unterschritten. Ganz anders als in Deutschland werden in anderen europäischen Ländern Bioprodukte hauptsächlich über den Lebesmitteleinzelhandel vertrieben. zZ.B. werden in den skandinavischen Ländern ca. 90% der Bio-Produkte im LEH gekauft, in England etwa 2/3 der Mengen, in Frankreich 38 %, in Spanien 29 %.
Die Anbaugebiete zur Erzeugung von Bio-Rohstoffen werden weltweit kontinuierlich ausgeweitet. Allein in Europa stieg die Anbaufläche für Bio-Rohstoffe im letzten Jahr um mehr als 46%. Einen regelrechten Bioboom erlebte England mit einem Zuwachs um 437,2 %. In Deutschland dehnte sich die Anbaufläche um 18,6 % auf 416.,318 ha aus. Der wohl am weitesten entwickelte Bio-Markt in Europa ist Österreich, wo 8,6 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche für die Erzeugung von Bio-Produkten ausgelegt ist.
Wie alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse unterliegen natürlich auch die daraus gewonnenen Rohstoffe und Verarbeitungsprodukte bis hin zum Enderzeugnis den Anforderungen der EU Bio-VO, d.h. der Verarbeiter hat die lückenlose Dokumentation über Herkunft und Verarbeitung der einzelnen Rohstoffe in seinem Betrieb sowie eine von konventionellen Erzeugnissen getrennte Lagerung der Bio-Erzeugnisse nachzuweisen. Die Einhaltung dieser Anforderungen wird regelmäßig durch Audits unabhängiger autorisierter Kontrollstellen überprüft und mit einem Prüfzertifikat bestätigt.
Einer Umfrage der CMA zur Folge sind die am häufigsten gekauften Bio-Produkte Grundnahrungsmittel (s. Abb. 2 im Originalausdruck). Allen voran Eier, Gemüse und Obst (ca. 40 % der befragten Haushalte); Brot wird immerhin von 36 % der befragten Haushalte in Bioqualität gekauft. Als Antwort auf das wachsende Interesse des Verbrauchers für Bioprodukte wird die Produktpalette auf dem Biosektor ständig vielfältiger und umfangreicher. Hier gewinnen Convenience und Halbfertigerzeugnisse zunehmend an Bedeutung. So werden Backwaren wie Brot, und Kleingebäck und Feine Backwaren wie z.B., Kuchen, Sahnetorten und Pizzaen als Bio-Frischprodukte und alternativ als Bio-Backmischungen und Bio-TK-Erzeugnisse angeboten. Auch bei der Herstellung dieser Bio-Produkte gewinnen Backmittel und Backgrundstoffe zunehmend an Bedeutung.
Für Backprodukte gibt es inzwischen ein breites Angebot an Rohstoffen, in Form von Basisrohstoffen, Verarbeitungsprodukten und Halbfertigerzeugnissen (s. Tab 1im Oroginalausdruck):
· Getreide / -erzeugnisse
Getreide und Getreidemahlerzeugnisse in Bio-Qualität sind auf der Basis aller herkömmlichen Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hafer, Gerste erhältlich; aber auch Dinkel, Mais und Reis werden in Bioqualität erzeugt. Die Getreidearten stammen überwiegend aus europäischenm Anbau. Weizenkleber und Verarbeitungsprodukte wie verschiedenen Stärkearten, Maltodextrine und Glukosesirupe werden aus den Bio-Mahlerzeugnissen ebenfalls hergestellt.
· Fette und Öle
Ebenfalls in Bioqualität sind Fette europäischer Herkunft, wie Sonnenblumenöl, Distelöl oder Olivenöl auf dem Markt, aber auch tropische Fette wie z.B. Palmöl aus Südamerika.
· Saaten und Nüsse
Das Angebot an Saaten reicht von Leinsaat über Mohn, Sesam, Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen bis hin zu Kümmel. Die Hauptanbaugebiete hierfür liegen in Europa und Kanada. Neben Haselnüssen und Mandeln sind auch Cashewkerne, Walnüsse und Paranüsse in Bio-Qualität erhältlich.
· Zuckererzeugnisse
Als Süßungsmittel stehen verschiedene Rohrzuckersorten in kristalliner Form oder als Puderzucker zur Verfügung, aber auch Sirupe wie Agavesirup, Melassesirup, Mais-, Reis- oder Weizensirup.
· Molkereiprodukte
Bio-Milcherzeugnisse gibt es in Form von Milch, Sahne oder Joghurt – aber auch in getrockneter Form als Milchpulver. Milchverarbeitungserzeugnisse wie Molkenpulver, Milcheiweiß (Caseinat) oder Milchzucker werden ebenfalls in Bio-Qualität erzeugt.
· Halberzeugnisse
Neben den reinen Rohstoffen werden seit einiger Zeit zunehmend auch Halberzeugnisse für die Weiterverarbeitung in Bio-Qualität angeboten. Pflanzliche Fette oder Lecithin lassen sich in Pulverform bequem und dauerhaft bevorraten, sind einfach im Handling, und somit problemlos zu verarbeiten. Solche Rohstoffe ermöglichen die Herstellung weiterer Convenience-Produkte wie z.B. fertige Backmischungen. Mit der Verfügbarkeit von Obstkonserven, Dunstäpfeln, Orangeat, Zitronat und Kuvertüren in Bio-Qualität sind der Vielfalt an Bio-Backwaren kaum noch Grenzen gesetzt.

Tabelle 1 im Originalausdruck: Bio-Rohstoffe und –Verarbeitungserzeugnisse zur Herstellung von Backwaren

Literatur:
Lebensmittelzeitung, 6, vom 11.02.2000 Food Engineering International, 4, 2000, S. 28-31

Artikel als pdf-Datei

Zurück