Functional Food

schließt zunehmend die Lücke zwischen begründetem Wunsch und Wirklichkeit bei der gesunden Ernährung

Michael Gusko, Hamburg

Einleitung
Der Begriff „Functional Food“ ist lebensmittelrechtlich bisher nicht definiert. Nach einer gängigen Arbeitsdefinition versteht man darunter „Lebensmittel mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen, der über den traditionellen ernährungsphysiologischen Effekt der darin enthaltenen Nährstoffe hinausgeht“. Das Ziel von Functional Food ist es, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.

Wirksame Substanzen natürlichen Ursprungs in Lebensmitteln
Unter Ernährungswissenschaftlern und Medizinern besteht einhellig die Meinung, dass sich eine ausgewogene und maßvolle Ernährung positiv auf den Gesundheitszustand des Menschen auswirkt. Darauf basieren die offiziellen Ernährungsempfehlungen, wie z.B. der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Zur gesundheitlich optimierten Ernährung kann man jedoch feststellen, dass der Verbraucher bisher dieser Empfehlung nicht in dem notwendigen Maße gefolgt ist.
In Anerkennung dieser Realität und im Hinblick auf eine wirkliche Veränderung, wollen seriöse Anbieter von Functional Food einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung leisten.
Functional Food nimmt für sich in Anspruch, einen zeitgemäßen Beitrag im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zu leisten. Ein Blick in die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zeigt, dass Functional Food als Marketingbegriff zwar neu, die zugrundeliegenden Kenntnisse über die Wirkung bestimmter Inhaltsstoffe aber teilweise bereits uralt sind.

Pflanzen werden seit Jahrtausenden nicht nur zur Ernährung, sondern auch zur Vorbeugung und Therapie von Krankheiten eingesetzt, da sie wirksame Stoffe enthalten. Eine häufig zitierte Aussage von Hippokrates (460 – 370 v. Chr.) „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein“ belegt den hohen Stand der damaligen Nahrungsheilkunde. Das Wissen um die gesundheitsfördernden Wirkungen bestimmter Nahrungsbestandteile trat mit dem Aufkommen der modernen Medizin und den Segnungen der Arzneimittel allerdings in den Hintergrund. Das präventive Potential der Nahrung wird heute, unterstützt durch die moderne Ernährungsmedizin, zunehmend wieder bekannt gemacht. Weltweit werden wertvolle Vitalstoffe, insbesondere aus Pflanzen, für die Entwicklung einer neuen Generation gesunderhaltender und gesundheitsfördernder Lebensmittel eingesetzt.

Markttrend
Der Markt für Functional Food weist weltweit die höchsten Zuwächse auf. Das globale Potential wird bei 5% des Lebensmittelmarktes gesehen. In Teilsegmenten beträgt der Marktanteil von Functional Food bis zu 50%. Die Wachstumsraten in den entwickelten Ländern (USA, Japan, Europa) sind heute durchweg zweistellig. Aufgrund der zunehmenden Alterspyramide wird ein anhaltend starkes Wachstum für die nächsten 30 Jahre prognostiziert.
Während in den USA, wo der Functional Food-Markt – mit maßgeblicher Unterstützung der Lebensmittelindustrie durch die US-Gesundheitsbehörde (FDA) - bei einem Wachstum von 17 % p.a. bereits ein Volumen von 25 Milliarden DM hat, steht die Entwicklung in Europa und Deutschland noch am Anfang (Umsatz rund 2 Mrd. DM). Die aktuellen Wachstumsraten von 30 bzw. 27 % zeigen aber, dass Europa aufholt.
Der Deutsche Functional Food Markt hat vor allem im Jahr 1996 durch die Einführung probiotischer Joghurts starke Wachstumsimpulse erfahren. Der Marktanteil dieser probiotischen Joghurts betrug 2 Jahre nach der Markteinführung bereits 8 %. Der Durchschnittspreis liegt ca. 35 % über dem Durchschnitt dieser Warengruppe – ein Indiz für eine höhere Wertschätzung durch den Verbraucher.

Backwarenmarkt
Im deutschen Backwarenmarkt wurden 1998/99 einige Produkte mit pre- und probiotisch wirksamen Zutaten eingeführt. Aufgrund der hohen Akzeptanz beim Verbraucher und den damit verbundenen positiven Ergebnissen, konnte eine Umsatzsteigerung beim Bäckerhandwerk mit diesen Produkten festgestellt werden.
Die Umsatzschätzung für das Jahr 1999 beträgt bereits DM 250 Mio., wobei die Wachstumspotentiale dieser Produktgruppe damit noch nicht ausgeschöpft sind.
Mit diesen positiven Ergebnissen stehen die Bäcker dem Erfolg der großen internationalen Nahrungsmittelkonzerne mit den in 1996 in Deutschland eingeführten probiotischen Joghurts in keiner Weise nach. Der Erfolg des Bäckerhandwerks mit Functional Food ist nicht nur ein Beispiel für die Kundenorientierung der Bäcker, sondern auch ein Beispiel für marktorientierte Zusammenarbeit von Bäckerhandwerk und Zulieferindustrie. Für die Entwicklung dieser anspruchsvollen Produkte bedienen sich die Backmittel- und Backgrundstoffhersteller des besten verfügbaren Fachwissens. So wird eng mit namhaften Ernährungswissenschaftlern und Medizinern zusammengearbeitet.
Entscheidend für die Entwicklung dieses Marktes wird die Seriosität und das Verantwortungsbewusstsein der Anbieter sein.

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