Pilzinfektion mit Candida albicans - Ernährungstherapie mit Brot?

Die Ernährungsratschläge bei Candida Mykose sind so vielfältig wie wider-sprüchlich. Obst - ja oder nein; Brot mit Hefe sollte gemieden werden, aber im nächsten Ratgeber findet sich Hefe als Zutat für Buttermilchbrötchen. Was ist von den vielen Empfehlungen wissenschaftlich gesichert? Von den über 100.000 in der Natur vorkommenden Pilzarten sind ca. 200 fakultativ oder obligat humanpathogen. Candida albicans gehört zu den fakultativ pathogenen Hefen und hat von diesen die größte Bedeutung in der Praxis. Sie tritt bevorzugt an Schleimhäuten von Mund und Darm auf. Typische Symptome bei Candidabefall sind wechselnde Stuhlqualität, Bauchschmerzen, Blähungen, dauernde Müdigkeit und Alkoholunverträglichkeit. Der Nachweis von Candida in der Mundhöhle oder im Stuhl ist nicht gleichbedeutend mit einer Infektion. Candida albicans findet sich in einem hohen Prozentsatz der gesunden Durchschnittsbevölkerung als harmloser Bewohner des Darmes. Daß es zu einer Infektion des Magen-Darm-Traktes kommt oder Erreger sogar in die Blutbahn übertreten, ist häufig auf eine verminderte Abwehrsituation zurückzuführen. Deshalb gilt grundsätzlich: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen, ist Basis eines funktionierenden Immunsystems. Therapie einer Candida Mykose Grundlage der Therapie sollte eine verläßliche Diagnose sein. Generell wird eine Kombination von medikamentöser Behandlung (Anti-Mykotika z.B. mit Nystatin) und Ernährungstherapie empfohlen. Was die Ernährungsratschläge betrifft, so gibt es noch keinen wissenschaftlichen Beweis (2, 4), aber generell wird ein Verzicht auf alkoholische Getränke und schnell vergärbare Kohlenhydrate angeraten. Besonders geeignet sind dagegen ballaststoffreiche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Gemüse und Salat) und milchsaure Produkte. Wie ist Brot (mit oder ohne Hefe) im Rahmen einer Anti-Candida-Diät zu beurteilen? Brot enthält praktisch keine Zucker, dagegen langkettige Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Dazu liefert es wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Entsprechend den o.a. Empfehlungen ist Brot, insbesondere ballaststoffreiches wie Vollkornbrot, also ein geeigneter Bestandteil einer Anti-Candida-Diät. In einem Ratgeber (Markus, H. 1995) wird vor Pilzen aller Art (Hefepilze, Schimmelpilze, luftgetragene Pilzarten) gewarnt. Dazu muß man sich klarmachen, daß Schimmelpilzsporen überall in der Luft vorkommen und man viele 100 täglich einatmet. Auch die Empfehlung, alle hefehaltigen Nahrungsmittel wie z.B. Brot zu meiden, ist nicht nachzuvollziehen. In Brot wird zur Lockerung Hefe der Gattung Saccharomyces eingesetzt, eine traditionell genutzte Bäckerhefe, die mit Candida albicans nichts gemeinsam hat. Ebensowenig wie man auf den Genuß von Champignons verzichtet, weil Fliegenpilze giftig sind, ist es notwendig oder sinnvoll, Bäckerhefe aus Angst vor Candida zu meiden. Dazu kommt noch, daß die Hefe durch die hohen Temperaturen beim Backprozeß sowieso abgetötet wird. Aus diesem Grund ist Brot auch im Rahmen einer Anti-Candida-Diät ein wertvolles und gesundes Lebensmittel. Ergänzend muß darauf hingewiesen werden, daß es individuell unterschiedlich sein kann, welche Lebensmittel der Betroffene verträgt. Dies muß der Einzelne austesten. Vor einer kohlenhydratarmen Kost wird allerdings gewarnt, da Candida albicans im Nährstoffmangel eine höhere Pathogenität aufweist und die Darmschleimhaut durchwachsen kann. Literatur zum Thema: 1. Brunner, E. u. C. Lasz-Flörl: „Candida - Symptome, Diagnostik und Ernährungstherapie“ in Ernährung/Nutrition, Vol. 20 Nr. 3 (1996) 150-152 2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: „Mykosen und Ernährung“ in Ernährungsumschau 43 (1996) Heft 3 104 - 105 3. Dietz, Elisabeth: „Theorie und Praxis mit der Candida Mykose“ in Knackpunkt, Hrsg. Verbraucher-Zentrale NRW e.V., Düsseldorf März 1996 4. Weig, M.: „Pilzbesiedlung des Gastrointestinaltraktes - Einfluß von Ernährungsfaktoren“ in Akt. Ernähr. Med. 21 (1996) 118 - 119

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